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Johan Galtung
Liebe Besucherrinnen und Besucher dieser Kunstausstellung: Was Sie sehen, ist eine Botschaft der Zukunft. Die Autorinnen und Autoren der Botschaft, Kinder zwischen 5 und 15 Jahren, werden weit länger in das nächste Jahrhundert und Jahrtausend hineinleben als die meisten von Ihnen, die Besucherinnen und Besucher dieser Ausstellung. Was Sie sehen, sind ihre Träume, ihre Hoffnungen und ihre Visionen, ausgedrückt in gemalten Bildern - einer sehr ganzheitlichen Sprache. Eine der Botschaften, die ich aus einer Auswahl von Bildern empfangen habe, ist die ziemlich deutlich zu erkennende Abwesenheit von Männern mittleren Alters und älteren Männern. Ich sehe schöne Natur, unverdorben, unzerstört. Ich sehe Tiere der unterschiedlichsten Art, manche davon gefährdet, manche sogar ausgelöscht. Ich sehe Kinder, viele Kinder. Die Malerinnen und Maler scheinen sich unter ihresgleichen wohlzufühlen. Ich sehe Frauen, viele von ihnen im Alter ihrer Mütter und schön, vielleicht sogar ein wenig geschönt. Und auch abstrakte Gemälde finde ich, die von großem Talent zeugen, kleine Orgien von Form und Farbe. Erwachsene Männer jedoch finde ich nur sehr wenige. Ich sehe Handlungen voller Zuneigung und Liebe, aber beteiligt sind Kinder, Frauen, Tiere – und nicht Männer. Hierin liegt eine Botschaft an uns erwachsene Männer. Offensichtlich haben wir in den bewussten oder unbewussten Träumen und Hoffnungen unserer Kinder keinen sehr hohen Stellenwert. Ich würde sogar eine Wette eingehen: Wären die Kinder aufgefordert worden, ihre Alpträume und schlimmsten Zukunftsvorstellungen zu zeichnen und zu malen, würde es von erwachsenen Männern nur so wimmeln.
Lassen Sie uns diese Botschaft in uns aufnehmen. Ich denke nicht, dass die glückliche Kombination der Veranstalter, dem UNESCO Institut für Pädagogik in Hamburg und der Soka Gakkai International in Deutschland dies beabsichtigt hätte. Auch haben die Kinder keine Generalversammlung abgehalten, auf der beschlossen wurde, erwachsenen Männern eine klare Botschaft zu schicken. Die Botschaft ist einfach so hervorgekommen. Vielen Dank an die Kinder, vielen Dank an die Organisatoren. Dies kann mit in das neue Jahrtausend genommen werden und verspricht, genug zu verbessern, um es wert zu sein, in unsere Hoffnungen und Träume einbezogen zu werden. Johan Galtung — Professor für FriedensforschungDirektor von TRANSCEND: Ein Netzwerk für Frieden und Entwicklung
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